Archive for October, 2008

Der fette Jan spielt gerade wieder mit seinem Handy und ist heute noch kein einziges Mal ans Telefon gegangen, aber ansonsten gehts mir gut.

Zumindest rede ich mir das ein während ich mir einen laktosefreien Kaffee aus dem Automaten in der Betriebskantine hole. Wie ich die Wörter Kantine Betrieb und Kaffee eigentlich hasse kann ich garnicht sagen. Ich wollte NIE arbeiten, und wenn evtl. was kreatives mit Medien undso. Naja vielleicht was schreiben oder einer von den Hirschen sein die Morgens ne Nase Koks nehmen und dann im Photoshop Obama aufm SPIEGEL Cover weniger schwarz aussehen lassen. So ne arte Milchpulver für die linksextreme Gutmenschenpresse eben. Das einzige was sich aber aufhellt iss der scheiss Kaffee weil ich Dosenmilch reingekippt habe. Jetzt aber schnell zurück zum “Platz” sonst wir der “Shift Supervisor” evtl. noch ungehalten…

Ich arbeite noch nicht lange bei Neckermann und habe auch vor das ganze nach Weihnachten wieder seinzulassen und mich dann wieder dem Nixtun zu widmen. Das kann ich deutlich besser als zu telefonieren und die Weihnachtsbestellungen von irgendwelchen fetten Müttern für ihren dickbrüstigen Söhne anzunehmen.

Der fette Jan drückt immernoch auf seinem komischen Smartphone rum. Scheint wohl übers Internet irgendwelchen Frauen zu erzählen er sei ein ganz lieber – sei es drum – Headset auf und Telefon auf Verfügbar gestellt.

Schon klingelt es. Frau Uta W. aus Chemniz möchte wissen ob dieses WII von Nintendo denn auch sicher für die Jugend sei. Ihr Sohn Justin-Friedrich neige nämlich eh schon zur Gewalt und hat sich neulich mit jüngeren geschlagen und onaniere seit neustem auf die Wäscheseiten im OTTO Katalog.

Ich versichere ihr dass das WII absolut sicher sei solange Justin Friedrich es nicht verschluckt und notiere die vom System generierte Bestellnummer neben einem in der Frühstückspause hingekritzelten Hakenkreuz auf meinen Unterarm.

Der reslich Nachmittag vergeht ohne weiteren Vorkommnisse und ich beschliesse einfach mal gegen 17 Uhr mit einer Nähnadel das Kabel meines Telefons zu perforieren und einen technischen defekt zu melden. 18 Uhr ist Feierabend und natürlich geht mein telefon immernochnit wieder – woran das wohl liegen mag – komig komig.

Auf dem weg in die Tiefgarage krempel ich den Ärmel hoch und lache mich kaputt weil ich mir ein Hakenkreuz auf den Arm gemalt habe – dafür krieg ich bestimmt heute abend in der Kneipe oder spätestens beim Dönermann kräftig auf die fresse.

Nachdem mir aber auch die Bestellnummer von Justins WII ins Auge gefallen ist ziehe ich den Nothalt, begebe mich ins Lager und gebe vor dass ich für folgende Bestellnummer noch eine WICHTIGE änderung habe bevor die rausgeht und ich das doch selber machen kann – dann wär es den Damen die den Kram einpacken aus dem Weg – achso ja mein name ist Jan XXX aus der Bestellannahme. Ich schnappe mir das Paket begebe mich auf die Angestelltentoilette entnehme JUSTINAS WII und kacke in den Karton.

Ich putze mir mit den ebenfalls bestellten Ofenhandschuhen in Weihnachtsmannform den Hintern ab und Pflege das Paket wieder ins System ein.

Auf dem Heimweg beschliesse ich noch mir 15 Halbe an der Tankstelle zu holen und einfach nicht mehr hinzugehen. Das schreiben einer Kündigung würde mir weitere 10 Minuten meines Lebens kosten in denen ich stattdessen saufen und mit Justins WII spielen kann.

Einsamer Freitag, keine Fotze auf der Strasse und die Bullen sind auch zuhause geblieben anscheinend. So macht das Fahren keinen Spass. Ich kurve über Kreuzungen in der Hoffnung, dass mich gleich ein Bus erwischt und schramme über Bordsteine. Keine Familien unterwegs. Das gibts doch nicht! Ich drehe um und fahre Richtung Zentrum.
Die Leute sehen zu Kotzen aus, ich traue mich nicht. Da reinzufahren wäre Resignation, das wäre schlimmer als mein Leben.
Ich heisse Rudolph Podolski und drei meiner vier Kinder sind schwerbehindert. Der sozusagen Gesunde kaut an der Bettdecke und klappert mit seinen Sandalen. Wie es mich ankotzt. Vielleicht doch in die Menschen fahren. Scheisskinder habe ich, mein Job ist auch nicht gerade eine Blüte im Sumpf und mein Schwiegervater hält es mir jedesmal vor, dass ich einmal in den Familienschmuck erbrochen habe. Seit Jahren. Immer wenn ich komme, hält er seinen Vortrag. Ich fahr dem jetzt in sein Haus. Schnauze voll.
Beim Wenden will eine Familie über die Strasse und ich gebe Vollgas. Es überrascht mich selber, dass ich wirklich ZIELE. Ein Kind versucht noch seinen Köter zu retten als es rumpelt unter meinen Rädern. Ich hab bestimmt drei von ihnen erwischt. Meine Waffe muss entsichert werden, für den Fall, dass mich die Polizei verfolgt. Noch ein paar Blocks bis zum Haus meines Schwiegervaters. “Rudolph!” sagt er immer, “Rudolph, du musst dich viel mehr bemühen meiner Tochter ein guter Mann zu sein. Ich höre Beschwerden!”  Ja ja, du hörst Beschwerden und ich fahr euch jetzt durchs Wohnzimmer, du Mistschwein, ich bretter über euch drüber, mein Wagen kann das ab.
Vor seinem Haus zöger ich etwas. Erst muss ich wissen, dass sie alle da sind. Mutter und Vater habe ich schon gesehen, sie sitzen vor dem Fernseher, aber der Neffe fehlt. Der ist gerade zu Besuch, das weiss ich, habs in der Rheinischen Post gelesen. Ein Albaner wollte Glückwünsche schicken an ihn, hat sich aber verschrieben. Glukwunsche, naja…was will man erwarten.
Jetzt sind sie alle da. Ich ziehe den Hebel auf D und drücke das Pedal durch. Der Zaun splittert, ich fühle den Rasen unter den Rädern. Das Wohnzimmerfenster kommt rasend schnell näher. Gedanken zischen durch meinen Kopf. Als ich zum Beispiel meinem Vorgesetzten den Handballen vor die Nase geschlagen habe und wie gerne ich Leberkäse jetzt hätte.
Da ist die Mauer, es knallt…aber nicht so schlimm wie erwartet. Ich gleite eigentlich sanft hindurch. der Fernseher ist der erste, der dran glauben muss. Auf dem Teppich rase ich geschmeidig. Dann kommt die Couch. Wie entsetzt alle gucken stelle ich noch fest… bis mich die Küchenwand anhält.

Ich bin unverletzt und alle anderen anscheinend plötzlich verstorben.
Wenn man auf die Polizei wartet, ist das Gefühl stets gemischt.

Es klingelt, und dabei ist es gerade 6 Uhr am morgen. Gelangweilt öffne ich mein zweites Bier und hebe ab. Carsten Reeder ist dran, na wer hätte das gedacht. Ich liebe diesen Mann. Niemand, wirklich niemand auf dieser Erde hat so unfassbar viel Humor im Kopf, kein Mensch kann, was Carsten kann. Und er MERKT es nicht! Dieser Pisser rennt durchs Leben mit seinem C&A Anzug und redet von Kaspar und Hauser und rafft es nicht, dass die Leute schon längst am Boden liegen mit Tränen in den Augen. Hinzu kommt, dass Carsten lispelt. Man bezeichnet das netterweise als “Sprechfehler für den Konsonanten S”.
“Guten Morgen, Carsten. Das ist aber schön, dass Du anrufst!”
“Es ist etwas schlimmes passiert…”
“Ach so. Naja, das erklärt wenigstens die Uhrzeit.”
Der Vollidiot redet jetzt. Viel. Soviel Scheisse will keiner hören und ich schalte auf Freisprech um mir eine Zigarette zu einem hübschen Schluck Bier gönnen zu können. Er redet von einem Kunden in Ingolstadt, von Mitleid für ein Kleinstunternehmen, und dann fängt er von KINDERN und EHEFRAUEN an. Wie sie alle leiden müssen!
Vor allem ich! Wie ich leide, wenn Carsten redet. Er tut mir physisch weh, und ich frage ihn, ob wir das Gespräch verschieben könnten, ich sei gerade beim Frühstücken.
Nein, das könne nicht warten, er müsse das jetzt LOSWERDEN.
Fein, Carsten…dann lass alles raus. Press mir deine Moral, ich kann das ab. Is ja noch Bier da.

Als er auflegte (er hatte am Schluss wirklich geweint), gewinne ich an Fassung und konzentriere mich auf den Tischtennisball, den ich an einer Schnur befestigt habe und unbedingt vor der Tatze meiner Katze schützen muss. Sie hat Spass dabei und gibt alles. Katzen sind mir lieber als Carsten. Die freuen sich einfach an Sachen, spielen mit denen, und dann ist nur noch schlafen und fressen wichtig.

Zum Spass pisse ich in die Badewanne und schreie “Heil!” dabei. Das ist ein Jugendtraum von mir, nun habe ich ihn mir erfüllt. Was würde ich jetzt darum geben, wenn Frau Schwarzer und der Affe Claudia Roth reinkämen und mit mir brüllen würden. Oder Carsten.

Jetzt klingelt das wieder. Es ist eine Unverschämtheit, was sich die Leute rausnehmen. Telefonanarchie hier? Hat das irgend jemand an die Kirche genagelt? Ist euch Fickfehlern klar, dass ihr STÖRT?
Diesmal stelle ich direkt auf Freisprech und fass meinen Schwanz an. Schönes Gefühl, ich massiere ihn und trinke dabei Bier. Mal sehen, was der Anrufer zu bieten hat.
Noch so eine Karikatur, ich schreie das Telefon an.
Er redet weiter, labert von Drähten, die einer zieht.
Zum Schluss sage ich “Haha.” und er legt (vermutlich beleidigt) auf.
Die Katze freut sich, macht wieder Jagd auf den Ball. Bier links und die Schnur rechts in der Hand lehne ich mich zurück und warte auf das, was kommt.

Dieses Nest ist geschlossen.
Geh woanders hin, ich will dich hier nicht sehen.
Du hast keinen blassen Schimmer davon,
wie langweilig ich dich und deine Demagogen im Kopf finde.

Geh in Deckung, wenn du das nächste mal hier auftauchst…
nicht dass noch was passiert.
Die Gefahr am Hass besteht im Potential,
es steigt und steigt.
Bitte weitersagen.

Sei dankbar für Warnungen, dann überstehst du, was folgen wird.
Denn da ist jemand, der macht dich zum Krüppel,
wenn du nochmal deinen verlogenen Mund aufmachst,
oder auch nur deine schmutzige Fresse über den Horizont hebst.

In beiden Händen eine Waffe.
Du kannst die Augen offen lassen
oder schliessen,
denn diese beiden Augen werden das Ziel der Kugeln sein.

Das ist die letze Wahl, die du du haben wirst.
Wenn du wiederkommst, drückt jemand ab.
Und wenn sowas Widerliches wie du noch Freunde hat,
gnade ihnen Gott.
Es wird jetzt zum Ernstfall.
Wer nicht wegrennt, wird zur Strecke gebracht.
Wir vergessen nichts.
Niemals.

Noch ein einziger Ton von dir, du schleimiger Verräter,
und ich zerfetze deine komplette Familie mit rostigen Messern.
Du glaubst, ungeschoren hier herumtollen zu können wie ein Kätzchen…
ich lehr dich zu gehen, verlass dich drauf.
Wenn dein Gesicht splittert, gehe ich vielleicht was essen.
Aber mit Sicherheit kehre ich zurück und mache weiter.

Glaub nicht an das, was dein scheiss Pfarrer dir über Moral in den Arsch gedrückt hat. Nächstenliebe, Gnade und den Rest der Täume, die du lebst.
Es gibt sie nicht, und das bringe ich dir bei. Deine letzte Lehrstunde,
aber immerhin weisst du was Sache ist, wenn du endlich krepierst.

Sei vorsichtig bei dem was du tust, Jude.
Drücke ruhig auf F5, dann siehst du,
was dem Rest der Hyänen deiner Sippe passiert ist.

Wenn du denkst, du wüsstest,
wie weit der Zorn gehen kann.
Erkenne deine Situation…
du hast noch die Chance, eure Leben zu retten.
Ihr Linken riecht nicht gut und passt nicht in das Konzept.
Verstehe es: du bist das Ziel.
Und wir treffen immer.
Alles.

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