Schon vor zehntausenden Jahren zupften sich Heerscharen von kulturell getriebenen Hauptaffen die verbliebenen Wimpern zurecht, badeten sich in den reinen Flüssen Mesopotamiens.
Einige überlebten, entwickelten sich zu einer Rasse edlen Standes, wurden Könige, Königinnen, Kaiser, Prinzen und Prinzessinnen. Die Schönheit der Jugend wurde nur von der Weisheit des Alters genommen. Rosen wurden gepflückt, Burgen wurden gebaut, Länder wurden erobert nur für die Schönheit der Gezüchtetsten unter den Edlen.
Im Kampf um die schöne Helena von Griechenland fielen Legionen im Sturm auf Troja.
Sicher – Wir haben uns entwickelt.
Neben den Edlen, den Anmutigen und den Schönen entstand eine Restmenschheit, deren Geschichte sich wie folgt liest:
1951 – Erfindung des Klettverschluss.
Dann kam lange nichts bis in der Mitte der Neunziger das Internet erfunden wurde. (Nein, seine Ursprünge lagen NICHT im Arpanet)
Einer der Restmenschen, aufgewachsen in Gropiusstadt, mit 18 raus um auf Norderney eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten zu machen, chattet gerne und “geht gerne aus” als Hobby, mag exemplarisch für seine Gattung herhalten. Vielen, denen Musik hören und mit Freunden Zeit verbringen nicht mau genug war, betranken sich.
Das half eine ganze Weile. Man stand morgens um 5 Uhr auf um den Acker zu sprenkeln, verbrachte den Tag in der Sonne und <besann> sich abends im Vereinshaus oder dem ‘Poststübchen’ einen zu heben.
Mit dieser Lebensführung schleppten sich die Restmenschen ca. fünfhundert Millarden Jahre durch ihre Geschichte.
Als an jenem, sonnigen morgen Radja Perlman aufstand um ihren Acker zu pflügen, kam der sonst als unauffällig geltenden Mathematikerin eine Idee: Anstatt den Acker zu mähen und abends wieder in der Taverne den Kelch zu heben, erfand sie das Spanning Tree Protocol, das Internet und bestimmt auch Zeitreisen erst möglich machte.
Radja hatte eine Vision: Die Restmenschen sollten andere Restmenschen in einem Verbund von Geräten, die es ermöglichen das Profil eines Restmenschen darzustellen auslachen – das ganze nannte sie (geschult in transzendaler Philosophie) Inter-nett.
Durch mehrere Lautverschiebungen und Kriege verblieben lediglich Buchstaben ohne Anführungszeichen.
Dankbar würdigt der Ersteller dieser Gruppe, an einem dieser Geräte sitzend – Restmenschen im Internet auslachend – Radja Perlman, die der Existenz vieler Restmenschen erst Sinn verlieh.
Ich danke Perlman für das lol, das afaik, das rofl und brb, das afk und alle Akronyme, die dadurch entstanden, dass zu wenig Zeit verblieb im schier endlos expandierendem Amusement unserer lieb gewonnenen Institution Internet Prioritäten klar zu ordnen und sich zu besinnen. Danke Radja, dass ich es besser habe als der Mann auf dem Acker, der in der Sonne das pflanzt, was er isst.